In Memoriam Görgy Ligeti (1923 – 2006)
György Ligeti, musikalische Leitfigur der ersten Konzertsaison von ‹Eclatsconcerts›, ist am 12. Juni 2006 in Wien gestorben. Die musikalische Hommage, die ihm die junge Freiburger Institution erweist, hat somit nur umso mehr Gewicht. Nach einem Eröffnungskonzert, in welchem sein berühmtes ‹Continuum› für Cembalo mit Bach, Schönberg, Brahms und George Crumb im Dialog stand, bringen seine Landsleute vom Keller Quartett jetzt sein zweites Streichquartett zur Auffürung – in Erwartung des Kammerkonzertes für 13 Instrumente, das am kommenden 17. März auf dem Programm steht …
Herz und Verstand
Ligetis 2. Streichquartett, ein Meisterwerk der Kammermusik des 20. Jahrhunderts, wird von zwei weiteren Monumenten der Gattung umrahmt: von Schuberts überragendem ‹Der Tod und das Mädchen› und von Beethovens apokalyptischer ‹Grossen Fuge› Op. 133 – Beethoven, den man bei Ligeti oft zwischen den Zeilen erahnt, in Form von Anspielungen auf seine letzten Quartette. Solche Querverbindungen sind keinesfalls zufällig, vielmehr machen sie das Wesen der künstlerischen Herausforderung aus, der sich ‹Eclatsconcerts› stellt: Etikettierungen und Grenzen zu verwischen um einem neugierigen Publikum ein interaktives und lebendiges Bild der Musik zu präsentieren. Ligeti hätte dies sicher zu schätzen gewusst – er, der sein ganzes Leben ohne Unterlass den Klang und seine Geschichte hinterfragt hat um eine Musik zu modellieren die Herz und Verstand gleichermassen anspricht.
Antonin Scherrer